YES, WE BUILD A BOAT

( 2023 / 2025 / 2026 )

In den Sommern 2023, 2025 und 2026 haben wir mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen Boote aus Holz gebaut. Eine 6,5 Meter lange Zille an der Donau in Wien, eine 8 Meter lange Zille mit zulaufendem Bug in Neusiedl am See und einen Segel-Trimaran in Jois am Neusuedlersee.


Unsere Reise führte vom Studium des archimedischen Prinzips über den Bau von Modellen bis zu den fertigen Booten. Gruppengeist, hohe Kreativität und das Erleben großer Selbstwirksamkeit prägten die jeweils drei Monate, die wir für die Projekte zur Verfügung hatten.
An der Donau war das Motorschiff Josef, im Verbund des Schiffmuseum Vienna, unser Headquater, in Neusiedl am See das Bundessportzentrum des österreichischen Segelverbandes und in Jois am Neusiedlersee, der Segelhafen.

Methodisch wurden daie Projekte als Kunstprojekte mit kunsttherapeutischer Basis umgesetzt, mit dem Ziel, für die jungen Menschen gleichermaßen als Berufsorientierung zu funktionieren, wie als Projekt zu Förderung der persönlichen Entwicklung.

Wir haben die gesamte Zeit der Projekte im Freien verbracht, bei Hitze und Regen, viel Zeit davon unter großer körperlicher Anstrengung. Auch wann zwischendurch die Sicherheit immerwieder mal verloren ging und uns nicht durchwegs klar war, ob wir es tatsächlich schaffen würden, die Boote so fertigzustellen, dass sie auch schwimmen, haben wir Tag für Tag weitgemacht. Und wir haben unser Ziel erreicht. Die Boote schwimmen, und das nicht nur auf kleinen sicheren Gewässern, sonder auf der Donau und dem Neusiedlersee, bei ruhigem, aber stürmischem Wetter.
Am Ende des Projekts stand das KITCHENBOATEVENT, die Realisierung einer Idee, die war am Anfang des Projekts erarbeitet hatten: Vom Boot aus selbst gekochtes Essen an bedürftige Menschen zu verschenken.
Über den Winter ist unser Boot am Land. Im Frühjahr wird es “aufgefrischt”, um allen Teilnehmenden für die warme Jahreszeit wieder zur Verfügung zu stehen.

Die drei Bootsbauprojekte wurden in Kooperation mit dem AMS durchgeführt.

„Wenn wir mit jungen Menschen, die sich in schwierigen Lebensphasen befinden, im Rahmen eines Kunsttherapieprojekts ein Boot bauen, dann ist das ein schöpferischer, kreativer und zugleich kommunikativer Akt, dann ist das Kunst, wie das Malen eines Bildes oder das Modellieren einer Skulptur. Das Boot in diesem kunsttherapeutischen Prozess ist dabei nicht nur ein physisches Objekt, sondern eine gestaltete und geschaffene Form des menschlichen Ausdrucks und der Verständigung. In seinen symbolischen, emotionalen und erkenntnistheoretischen Dimensionen ist das Boot Mittel zur Erkenntnisgewinnung, das uns im Gestalten und im Gestalteten ermöglicht, etwas zu erfahren und zu verstehen, über uns selbst, unseren Bezug zur Welt und die Welt, weit über das Wirkungsfeld der Sprache hinaus. Wenn ein Mensch im Rahmen eines kreativen Aktes ein Boot baut, gestaltet er nicht nur Materie, sondern auch sein eigenes Erleben und seine Wahrnehmung von Raum, Grenzen und Möglichkeiten, bis hin zu einem neuen Selbstverständnis.
Als Archetyp des Übergangs und der Transformation, als Bild für das Aufbrechen ins Unbekannte, das Überwinden von Grenzen, das Getragensein oder auch die Gefahr des Untergehens, verstehen wir das Boot und den Bootsbau im kunsttherapeutischen Kontext als besondere Möglichkeit, Menschen in Krisen, Ausnahmesituationen oder schwierigen Lebensphasen einen geschützten Raum für Veränderung zu bieten. Der Bau eines Bootes wird dabei zu einem Symbol für die innere Neuausrichtung: Materialien werden geordnet, verbunden und in eine tragfähige Form gebracht – so wie auch das eigene Leben in schwierigen Zeiten neu strukturiert werden will. Das Arbeiten mit den Händen, Widerstände im Material und die stetige Annäherung an eine klare Form spiegeln den Prozess des inneren Wachstums wider. In Momenten der Unsicherheit oder des Verlusts kann der Bootsbau Halt geben, indem er zeigt, dass aus Einzelteilen etwas Ganzes, aus Chaos eine tragfähige Struktur entstehen kann. Zugleich ruft das Boot existenzielle Bilder hervor: Da ein Boot nicht alleine, sondern im Austausch mit anderen entsteht, wird der gemeinsame Bauprozess zu einem sozialen Kunstwerk, in dem Kommunikation, Kooperation und gegenseitige Unterstützung entscheidend sind. Die Teilnehmenden formen nicht nur das Boot, sondern auch die sozialen Strukturen, in denen sie arbeiten. Der Moment, in dem das fertige Boot schließlich ins Wasser gleitet, wird zu einem kraftvollen Übergangsritual – ein sichtbares Zeichen für Sinnstiftung, Identitätsfindung und Selbstermächtigung, für innere Veränderung, für das Zurücklassen einer alten Phase und das Annehmen neuer Möglichkeiten.“

Robert Saphin – YOKO Das Zentrum für Kunst und Kunsttherapie